Bürgerinformationssystem

Vorlage - 68/2011  

 
 
Betreff: Multiresistente Erreger
Status:öffentlichVorlage-Art:Informationsvorlage - öffentlich
Federführend:53 Gesundheit   
Beratungsfolge:
Ausschuss für Gesundheit
26.05.2011 
Ausschuss für Gesundheit (offen)   

Sachverhalt

III. Zusammenfassung

 

Multiresistente Erreger, und damit insbesondere MRSA, stellen auch im Kreis Soest ein Problem für die Patientenversorgung dar. Durch die Bildung eines Netzwerkes unter Moderation und Koordination des Kreisgesundheitsamtes soll der weiteren Ausbreitung der Erreger entgegen gewirkt und die Patientenversorgung so verbessert werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IV. Sachdarstellung

 

Allgemeines zu MRSA

 

Staphylokokken sind Bakterien, die weltweit verbreitet sind und sich auf Haut und Schleimhäuten von vielen Menschen und Tieren finden. Nur unter besonderen Bedingungen führen sie zu Erkrankungen. Sie besitzen eine hohe Widerstandskraft gegen viele Umgebungsbedingungen wie Austrocknung, Temperaturen oder Säuregehalt. Manche Bakterien besitzen die Eigenschaft Resistenzen gegen Antibiotika zu bilden. Entstehen dabei Mehrfachresistenzen, so sprechen wir von multiresistenten Erregern (MRE) oder im Fall von Staphylokokken von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus.

 

Für die meisten Menschen, die diese Bakterien auf der Haut (oder Schleimhaut) mit sich tragen, stellen MRSA keine größere Bedrohung dar als „normale“ Staphylokokken, die nicht multiresistent sind. Man spricht von einer „Besiedelung“, um so zu verdeutlichen, dass keine Erkrankung vorliegt. Der Betroffene selbst bemerkt die Bakterien überhaupt nicht. Eine Weitergabe durch Handkontakte an andere Menschen ist daher schnell möglich. Allerdings erkranken Menschen, die eine Schwäche des Immunsystems haben, sehr viel leichter, wenn sie mit Staphylokokken besiedelt sind. Bei diesen Personen kommt es nicht selten zu eitrigen Hautentzündungen, einer Lungenentzündung oder einem Harnwegsinfekt. Eine Schwächung des Immunsystems liegt z.B. vor bei Diabetikern, bei Tumorpatienten oder bei Menschen, die unter mehreren chronischen Erkrankungen (Multimorbidität) leiden. Hier können die Bakterien zu schweren hoch fieberhaften Krankheitsbildern führen. Diese müssen dann antibiotisch behandelt werden. Besteht jetzt eine Multiresistenz, bleiben fast alle Antibiotika ohne Wirkung. Erst durch ein Antibiogramm können die Mittel bestimmt werden, mit denen dann noch eine gezielte Antibiotikabehandlung stattfinden kann.

 

So wird verständlich, weshalb MRSA in Krankenhäusern oder Pflegeheimen häufiger zu finden sind. Hier sind mehr immungeschwächte Patienten zu finden. Außerdem besiedeln die MRSA gerne chronische Hautwunden, von denen sie dann weiter verschleppt werden. Eine weitere wichtige Bedingung für die Verbreitung der Bakterien ist das Nichtbeachten bestimmter Hygieneregeln. Denn obwohl Staphylokokken eine hohe Umweltresistenz aufweisen, sind sie doch gegen die üblichen Flächendesinfektionsmittel, die im Krankenhaus oder Pflegeheim angewendet werden, empfindlich. Gleiches gilt für die Anwendung von üblichen Händedesinfektionsmitteln. Auch diese Mittel töten Staphylokokken (also auch MRSA) zuverlässig ab, wenn sie sachgerecht verwendet werden.

 

Eine weitere therapeutische Maßnahme begünstigt die Ausbreitung von MRSA. Bei falscher Antibiotikabehandlung werden zunächst die Bakterien getötet, die gegen die Mittel am empfindlichsten sind. Dagegen überleben die Keime, die bereits Resistenzen haben und finden dann sogar noch bessere Lebensbedingungen, weil die Konkurrenz im Lebensraum beseitigt wurde.

 

Maßnahmen zur Bekämpfung von MRSA/MRE

 

Die beste Waffe gegen multiresistente Erreger ist eine gute Hygiene. Deshalb fanden auch hier im Kreis Soest seit Jahren immer wieder entsprechende Informationsveranstaltungen für Pflegekräfte statt. Dies alleine und auch die Bemühungen einzelner Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen, kann aber nicht erfolgreich sein. Da durch Hygienefehler oder durch die falsche Anwendung von Antibiotika in einem komplexen Behandlungs- und Pflegesystem die Verschleppung von MRSA ermöglicht wird, kann nur ein gemeinsames systemisches Handeln zu einer deutlichen Reduzierung der Besiedelung mit MRSA beitragen. Deshalb haben sich seit etwa einem Jahr in immer mehr Regionen Krankenhäuser und andere an der medizinischen Versorgung Beteiligte auf lokaler Ebene zu Netzwerken zusammengeschlossen. So soll gemeinsam gegen die MRSA-Problematik vorgegangen werden.

 

Vorgehen im Kreis Soest

 

In 2010 wurde in einem AK mit VertreterInnen von Krankenhäusern, Reha-Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Ärztekammer besprochen, wie das Vorgehen im Kreis Soest aussehen kann. Danach soll unter Koordination des Gesundheitsamtes ein Netzwerk gebildet werden. Es ist nun vorgesehen, dass im nächsten Treffen des AK im Juni von den Vertretern der Krankenhäuser Kooperationsvereinbarungen unterschrieben werden. Entsprechende Vereinbarungen sollen danach auch für die Reha-Kliniken, die Pflegeeinrichtungen und die niedergelassenen Ärzte erstellt werden.

Ziel des Netzwerkes ist, dass sich die kooperierenden Institutionen auf einheitliche Qualitätsstandards im Umgang mit MRSA und anderen MRE festlegen.

 

Folgende Qualitätsziele sollen umgesetzt werden:

  • Durchführung regelmäßiger Schulungen,
  • Prävalenzscreening (Erfassung, wie viele Menschen von MRSA betroffen sind),
  • Einführen eines Runden Tisches zu MRSA unter Leitung des Gesundheitsamtes,
  • Dauerhafte Durchführung von einheitlichen Screenings in den Häusern,
  • Erfassung epidemiologischer Daten zu den MRSA-Patienten,
  • Umsetzung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zur Hygiene,
  • Erhebung kreisweiter Daten zur Ausbreitung von MRSA und zur Antibiotikabehandlung,
  • Verbesserung des Informationsmanagements zwischen den Beteiligten.