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Vorlage - 032/2018  

 
 
Betreff: Personalbedarf der Abteilung Jugend und Familie aufgrund der Flüchtlingssituation
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage - öffentlich
Federführend:51 Jugend und Familie   
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
13.03.2018 
16. Sitzung des Jugendhilfeausschusses ungeändert beschlossen   
Ausschuss für Personal, Organisation und Effizienz Vorberatung
14.03.2018 
13. Sitzung des Ausschusses für Personal und Organisation ungeändert beschlossen   
Kreisausschuss Vorberatung
15.03.2018 
17. Sitzung des Kreisausschusses geändert beschlossen   
Kreistag Entscheidung
22.03.2018 
18. Sitzung des Kreistages geändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt

Der Kreistag beschließt die Entfristung folgender Stellen der Abteilung Jugend und Familie bis auf Weiteres im Stellenplan:

 

1.) Für den Bereich Begleitung und Betreuung unbegleiteter, minderjähriger Ausländer:

3,0 VZÄ Sozialdienst für unbegleitete, minderjährige Ausländer (UMA)Prüfung jugendhilferechtlicher Bedarfe, Clearing, Inobhutnahmen nach §42a SGB VIII Planung und Implementierung von geeigneten Jugendhilfeleistungen (Stellenplannummer 5106 1473, 1474, 1497)

0,5 VZÄ Akquise, Beratung und Begleitung von Pflegefamilien (Stellenplannummer 5106 1476)

0,5 VZÄ Vormundschaften (Stellenplannummer 5106 1495)

 

2.) Für die Bearbeitung der jugendhilferechtlichen Akuthilfen in den drei Zentralen Unterbringungseinrichtungen im Kreisjugendamtsbezirk:

1,5 VZÄ Sozialdienst für ZUE (Stellenplannummer 5106 1475, 1496)

 

3.) 0,5 VZÄ für die Bearbeitung von Angelegenheiten übergeordneter und besonderer Bedeutung (Stellenplannummer 5106 1494).

 

Zur weiteren Entwicklung und den Auswirkungen auf die Arbeit der Abteilung Jugend und Familie wird weiter jährlich im Jugendhilfeausschuss berichtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Höhe der gesamten finanziellen Auswirkungen:

Personal-u. Sachkosten: ca. 380.000 €

Verwaltungskostenerstattung: ca. 300.000 €

Produkt: 5121, 5123, 5125

 

x

Die erforderlichen Mittel sind im Produkt eingeplant.

 

Die erforderlichen Mittel sind teilweise im Produkt eingeplant, eine Deckung erfolgt durch:

 

Die erforderlichen Mittel sind nicht eingeplant.

Erläuterungen:

 

 


Zusammenfassung

Die aufgrund der Flüchtlingssituation seit 2015 zusätzlich eingerichteten Personalstellen sind seinerzeit wegen der unklaren Prognose bis zum 31.12.2018 befristet worden.

 

Die aktuelle Situation ist weiterhin unklar, verlässliche Prognosen können nicht getroffen werden.

 

Faktisch sinkt die Quote der unbegleiteten minderjährigen Ausländer (UMA), die das Jugendamt zu betreuen hat, nur sehr leicht, sie liegt immer noch bei über 100 unbe-gleiteteten minderjährigen Ausländern.

 

Besondere Herausforderungen für das Kreisjugendamt stellen die drei großen Zentralen Unterbringungseinheiten (ZUEs) im Kreisjugendamtsbezirk mit Bewohnerinnen und Bewohnern und ihren Kindern und Jugendlichen mit überwiegend unklarer Bleibeperspektive dar. Der Bestand der ZUEs wird für mindestens weitere 8 Jahre angenommen, sodass dauerhaft zusätzliche Aufgaben durch das Kreisjugendamt zu erfüllen sind.

 

Insofern ist die weitere Verfügbarkeit der eingerichteten Stellen erforderlich, besonders im Hinblick auf schwierige Stellenbesetzungen (pädagogischer Fachkräftemangel) und hohe Fluktuation bei befristeten Stellen. Es sollen daher die Stellen dauerhaft eingeplant und die Situation regelmäßig auf ihren Bedarf hin evaluiert werden.

 

Allein für den Bereich des Sozialdienstes für UMA erhält der Kreis Soest eine Kostenerstattung. Die Refinanzierung orientiert sich allerdings nicht an der tatsächlichen Aufgabenerbringung, sondern an der Anzahl der betreuten UMAs an zwei Stichtagen im Jahr. Die gezahlte Verwaltungskostenpauschale mit 3.100 € pro UMA, die durchschnittlich am 30.06. und 31.12. jeden Jahres im Hilfebezug sind, ist als nicht auskömmlich zu bewerten.

 


Sachdarstellung

 

Ende 2015 hat die Einreise von Flüchtlingen insgesamt so große Werte verzeichnet, dass deutschlandweit alle Kommunen erhebliche Anstrengungen zur Betreuung und Unterbringung der Menschen unternehmen mussten.

 

Auch der Kreis Soest hat mit zusätzlichen personellen und finanziellen Ressourcen darauf reagieren müssen. Dies erfolgte insbesondere in den Bereichen Ausländerbehörde, Gesundheitsamt und Kreisjugendamt.

 

Für das Kreisjugendamt wurden folgende Stellen bewilligt, zur Erläuterung und Hintergrund wird auf die damaligen Vorlagen verwiesen:

 

Vorlage

Anzahl Stellen

188/2015 - 29.10.2015

-  1,5 VZÄ Inaugenscheinnahme, Klärung    Jugendhilfebedarf, faktische Inobhutnahme, Unterbringung, Hilfesteuerung (Sozialdienst für UMA)

-  0,5 VZÄ Gewinnung und Betreuung Pflege-/Gastfamilien

-  1,0 VZÄ Vormundschaften

20/2016 – 17.03.2016

Zusätzlich 3,0 VZÄ, davon

-     1,0 VZÄ Vormundschaften

-     1,5 VZÄ Sozialdienst für UMA

-     0,5 VZÄ Leitung

 

Nach aktueller Lage ist deutlich, dass an keiner Stelle, insbesondere nicht von den zuständigen Ministerien, verlässliche Aussagen getroffen werden können, wie sich die weitere Situation des Flüchtlingszuzugs gestalten wird. Unklar ist weiterhin die Abschottung der Grenzen durch die Türkei, der Flüchtlingsstrom über das Mittelmeer, die politischen Anstrengungen zur Verteilung von Flüchtlingen in Europa und die Rückführung abgelehnter Asylbewerberinnen und Asylbewerber. Faktisch reisen nach wie vor Flüchtlinge nach Deutschland ein und unter diesen befinden sich weiterhin auch unbegleitete Minderjährige.

 

Nach aktueller Gesetzgebung bleibt es bei der Aufgabenzuteilung anhand einer Quote an die Jugendämter in Deutschland, diese zu versorgen und jugendhilferechtlich zu betreuen.

 

Somit kann diese Pflichtaufgabe grundsätzlich als dauerhaft angesehen werden. Allein der Umfang ist nicht prognostizierbar. Die aktuellen Fallzahlen lassen keine Reduzierung der beim Kreisjugendamt eingerichteten Stellen zu.

 

Nach Zahlen der Ausländerbehörde Kreis Soest (siehe auch Vorlage 028/2018) ist mit einer stetigen Zuwanderung zu rechnen:

 

Aktuell stellt sich im Fallmanagement die Situation so dar, dass die Anzahl der Kundinnen und Kunden trotz der Verzögerungen beim Familiennachzug stetig steigt. Zum 31.12.2017 waren von der Ausländerbehörde des Kreises Soest insgesamt fast 19.500 Personen zu betreuen. Zum 31.12.2014 waren dies noch ca. 15.000 Personen. Damit sind in diesem Zeitraum insgesamt rund 4.500 Personen aus der EU und aus Drittstaaten hinzugekommen. Die Zahl der Personen aus Drittstaaten hat sich vom 31.12.2014 konkret von
7.500 Personen auf 10.760 zum 31.12.2017 erhöht. Ende 2017 betreute die Ausländerbehörde somit 3.260 Personen aus Drittstaaten mehr als Ende 2014.

 

Die nachfolgende Grafik zeigt den Anstieg der Fallzahlen für die Ausländerbehörde seit Ende 2014, unterteilt nach „Gesamtzahl der Ausländerinnen und Ausländer“ und „Personen aus Drittstaaten“.

 

 

 

Bis Ende 2018 werden die Zahlen weiter steigen. Es haben z. B. noch nicht alle Kommunen im Kreis Soest ihre Quoten im Rahmen der Wohnsitzzuweisung bei anerkannten Flüchtlingen erfüllt. Hier ist noch mit einer vermehrten Zuweisung nach § 12a des Aufenthaltsgesetzes zu rechnen. Diese Personen werden zusätzliche Kunden und Kundinnen der Ausländerbehörde des Kreises Soest. Laut Auskunft der Bezirksregierung Arnsberg sind für den Kreis Soest (ohne Lippstadt) noch ca. 850 Personen zu erwarten. Monatlich kommen auch weiterhin Flüchtlinge im Asylverfahren in den Kreis Soest. In 2017 waren dies insgesamt ca. 450 Personen. Diese Zahl ist auch in 2018 wieder einzuplanen. Somit werden Ende 2018 mehr als 12.000 Personen aus Drittstaaten in der Zuständigkeit der Ausländerbehörde des Kreises Soest (ohne LP) leben.

 

Diese Zahlen haben auch deutlichen Einfluss auf die Aufgaben für das Gesundheitsamt und das Kreisjugendamt.

 

Für die Zuständigkeit des Kreisjugendamts hat die Flüchtlingssituation drei Hauptausrichtungen, die hier im Einzelnen kurz dargestellt werden:

 

  1. Betreuung und Begleitung unbegleiteter minderjähriger Ausländer (UMA)

 

Mit dem Bundesgesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendliche zum 01.11.2015 wurden allen Jugendämtern erweiterte Pflichtaufgaben übertragen. Die Verteilung der eingereisten unbegleiteten Minderjährigen wird bundesweit nach Quoten geregelt. Die Quoten werden wöchentlich festgelegt. Die Entwicklung der Zahl von unbegleiteten Minderjährigen, die durch das Kreisjugendamt betreut wurden und auch nach Quote zu betreuen waren, wird in folgender Grafik dargestellt:

 

 

Die Stichtagsanzahl spiegelt nicht die Fluktuation wider und zeigt damit nicht den tatsächlich zu leistenden Arbeitsaufwand. Die UMAs, die z.B. noch am 31.03.2016 in der Zahl enthalten waren, sind weitestgehend nicht mehr die, die aktuell im

Klärungs-, Beratungs- und Hilfebezug sind. Zurzeit liegt die Altersspanne der betreuten UMAs zwischen 12 und 20 Jahren. Gerade auch für die Jüngeren ist mit langfristigem, immer wiederkehrendem Hilfebedarf zu rechnen.

 

Im Jahr 2017 wurden von den Kolleginnen und Kollegen insgesamt tatsächlich ca. 150 UMAs betreut, in 2016 waren es ca. 190 UMAs. Allerdings haben Personalwechsel und mehrmonatige Vakanzzeiten zu Rückständen in der Fallbearbeitung geführt. Zum April 2018 steht erneut ein Stellenwechsel an und auch hier wird vor dem Hintergrund Fachkräftemangel nicht damit gerechnet, dass ein nahtloser Übergang erfolgen wird. Hinzu kommen dann noch Einarbeitungszeiten in das erforderliche spezielle Fachwissen. 

 

Zu den regelmäßigen Aufgaben im Bereich dieses sozialen Dienstes für unbegleitete minderjährige Ausländer gehören unter anderem:

 

-          Die aktuell in der Öffentlichkeit diskutierte Altersfeststellung

-          Die vorläufige Inobhutnahme mit Absprachen der abgebenden Jugendämter bzw. Absprachen in den ZUEs

-          Erstinterview und Prüfung der Voraussetzungen nach §42a SGB VIII, Entscheidung zur Verteilung bzw. Unterbringung in einer geeigneten Einrichtung

-          Installierung von Hilfen

-          Steuerung des Hilfebeginns, Bedarfsklärung, Überprüfung

-          Familiengerichtliche Verfahren, Einrichtung einer Vormundschaft

-          Hilfeplanung, Absprachen mit Einrichtungen, Dolmetscher organisieren

-          Ausländerrechtliche Fragestellungen (Zuweisungen, Unterstützung bei Anmeldung im Melderegister, etc..)

-          Ggf. Umsteuerung von Hilfen, wenn sich im Verlauf herausstellt, dass eine andere Hilfeform erforderlich ist.

-          Prüfung von Verwandten im Bundesgebiet.

 

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Neufälle i.d.R. die fachliche Prüfung einer Kindeswohlgefährung bedeuten. Wenn in einer ZUE der Verdacht besteht, dass sich ein UMA dort aufhält, ist innerhalb kürzester Zeit zu reagieren, ein potentieller Platz in einer Jugendhilfeeinrichtung zu organisieren, der junge Mensch aufzusuchen und ggf. seine Unterbringung in einer geeigneten Jugendhilfemaßnahme durchzuführen. Andere bereits geplante Termine für den Tag müssen verschoben werden.

 

Für den überwiegenden Teil der unbegleiteten minderjährigen Ausländer sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des sozialen Dienstes für UMA die einzige feste Konstante in ihrer derzeitigen Lebenslage, insbesondere wenn aus verschiedenen Gründen häufigere Einrichtungswechsel erfolgen müssen. Das bedeutet, dass in krisenhaften Situationen (s.o.) die unbegleiteten minderjährigen Ausländer häufiger hier um Hilfe, Unterstützung und Beratung bitten. Daraus folgt, dass in der überwiegenden Anzahl von Fällen die obligatorischen Standards nicht ausreichen, sondern Fälle teils mehrmals im Monat Gegenstand kollegialer Beratung und Interventionsmaßnahmen sind. Auch sind Anträge an besonderer Unterstützung (Dolmetscherstunden, Nachhilfe, Sprachkurse, Arbeitskleidung etc.) häufiger als üblich zu bewerten und zu entscheiden.

 

Im Unterschied zum kommunal orientierten RSD zeigen sich besondere Herausforderungen, denen im Rahmen der erfolgten Spezialisierung Rechnung getragen wurden. Zudem sollte erreicht werden, dass der kommunal orientierte RSD nicht noch mit weiteren und neuen Arbeitsfeldern und Anforderungen belastet wird.

 

Als spezifische Herausforderungen zu benennen sind:

 

-          Kulturelle Unterschiede

-          Insbesondere in den ersten Monaten die Sprachbarriere

-          Psychische Belastung / Traumata der UMAs, daraus resultierende selbstschädigende Verhaltensweisen

-          Fundamentale Bedeutung des Asylverfahrens für den einzelnen UMA

-          Individuelles Auffangen nach Eintreffen ablehnender Asylentscheidungen

-          Individuelles Auffangen negativ verlaufender Situationen „zu Hause“ (Versterben und spurloses Verschwinden von Familienangehörigen, unerfüllbare Arbeits- und Verhaltensaufträge der Eltern an die jungen Menschen z.B. Geld verdienen und die Familie unterstützen, Familiennachzug sicherstellen, etc.)

-          Unprofessionelles Handeln von Stakeholdern

-          Schwierig verlaufende Übergänge Schule – Beruf

-          Unterstützung bei der Suche, Aufnahme und für einen erfolgreichen Verlauf einer Ausbildung

-          Abnehmende Willkommenskultur in Deutschland und Anfeindungen

-          Potentielle Radikalisierungstendenzen rechtzeitig erkennen und gegensteuern

-          Personelle Fluktuation im Arbeitsbereich

-          Unsicherheit der eigenen beruflichen Perspektive.

 

Bei derzeit eingerichteten 3,0 VZÄ stehen für diese komplexe Aufgabenerfüllung maximal 30 Std. pro Jahr pro UMA zur Verfügung.

 

Einige UMAs sind in Gast-/Pflegefamilien untergebracht, z.B. auch in Verwandtenpflegeverhältnissen. Das Modell der Unterbringung in Pflegefamilien zur verbesserten Integration ist grundsätzlich erfolgreich, erfordert allerdings dieselben Qualitätsstandards wie für den Bereich der regulären Pflegekinderhilfe. Für gelingendes Aufwachsen in Pflegefamilien vor dem Hintergrund der kulturellen und religiösen Unterschiede ist eine bedarfsgerechte Akquise und eine enge, intensive Beratung und Begleitung der Familien erforderlich. Denn hier sind die kulturellen und sprachlichen Unterschiede und die „Aufträge der leiblichen Eltern“ eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten im Unterschied zum regulären Pflegekinderbereich. Derzeit sind 12 Pflegefamilien zu betreuen, die Unterbringung ist auf Langfristigkeit angelegt. Mit dem Zuzug weiterer Flüchtlinge, wie es von der Ausländerbehörde erwartet wird, sind weitere Anstrengungen zu unternehmen, neue Pflegefamilien zu finden, auszuwählen, vorzubereiten und den gesamten Integrationsverlauf dauerhaft verlässlich zu begleiten. Von der weiteren Akquise haben wir bislang Abstand genommen, da nicht klar ist, wie sich die weitere personelle Besetzung gestaltet. Auch hier bedarf es einer  unbefristeten Perspektive zur konstanten Aufgabenerfüllung.

 

Gesetzlich sind 50 Vormundschaften pro VZÄ die maximale Auslastung von Amtsvormündern. Es zeigt sich, und dies wird auch durch die Spitzenverbände der Kommunen bestätigt, dass das Führen der Vormundschaft für UMAs in diesem Stellenumfang nicht ausreichend ist. Die hoch spezialisierten UMA-Vormünder haben sich intensiv mit dem Asylrecht auseinanderzusetzen und ggf. auch Klagen vor dem Verwaltungsgericht zur Wahrung der Rechte ihrer Mündel zu führen. Dieses bedarf umfangreicher zeitlicher Ressourcen. Das bayrische Landesjugendamt betrachtet einen Schlüssel von 1:35 als angemessen.

 

Mit einigem Aufwand kann aktuell die überwiegende Zahl an neu einzurichtenden Vormundschaften extern übertragen werden, entweder bei Geeignetheit auf Verwandte oder auf Berufs- und Vereinsvormünder. Die Übertragung der Vormundschaften auf externe Vormünder bedarf deren Zustimmung und ist damit freiwillig. Hinzu kommt, dass die Übertragung in der Entscheidung des Familiengerichts liegt und nur bedingt durch das Kreisjugendamt steuerbar ist. Entscheidet das Familiengericht die Übertragung auf das Kreisjugendamt oder es steht kein externer Vormund zur Verfügung, hat das Kreisjugendamt diese Aufgabe zu übernehmen.

Die Prüfung, ob Verwandte zum Vormund geeignet sind, obliegt dem Kreisjugendamt. Die bestellten Verwandtenvormünder zu beraten ist ebenso gesetzlicher Auftrag an den öffentlichen Jugendhilfeträger, daher sind in jedem Fall personelle Ressourcen vorzuhalten.

 

Seit Anfang 2016 bis heute wurden etwa 100 Vormundschaften durch das Kreisjugendamt geführt. Aktuell sind bei derzeit vorhandenen Personalressourcen von 30 Std./Woche 23 Mündel zu betreuen. Vor dem Hintergrund, dass vorrangig externe Vormünder einbezogen werden, erscheinen derzeit 0,5 VZÄ als ausreichend. Bei einem erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen oder nicht möglicher Übertragung an freie Träger o. a. ist über eine weitere Personalisierung zu entscheiden, da der Schlüssel von 1 : 35 pro VZÄ in diesem Bereich eher anzusetzen ist.

 

 

Resümee

 

      Für den Bereich des sozialen Dienstes für UMA sind 3,0 VZÄ erforderlich.

 

      Für die Pflegekinderhilfe ist eine 0,5 VZÄ erforderlich.

 

      Für den Bereich Vormundschaften ist eine 0,5 VZÄ erforderlich.

 

 

  1. Betreuung der Zentralen Unterbringungseinheiten (ZUE)

 

Einzigartig in NRW ist die Anzahl der drei ZUEs im Kreisjugendamtsbezirk Soest und die Anzahl der daraus resultierenden möglichen Belegung. Es handelt sich bei diesen Einrichtungen um Landeseinrichtungen. Die Anzahl der Personen ist den Zahlen der Ausländerbehörde des Kreises Soest noch hinzuzurechnen.

 

In dieser Konstellation gibt es derzeit keine Vergleichbarkeit mit anderen Jugendämtern. Folglich sind aus der eigenen Erfahrung und der gegenwärtig vorliegenden Informationen Prognosen für den Bedarf individuell zu entwickeln.

 

Laut Mitteilung der drei zuständigen Bürgermeister der Kommunen Möhnesee, Rüthen und Wickede (Ruhr) kann davon ausgegangen werden, dass die ZUEs bis Mitte der kommenden 20er Jahre Bestand haben werden. Hinzu kommt, dass Informationen vorliegen, dass die Aufenthaltszeiten der Bewohnerinnen und Bewohner der ZUEs, von bisher 6 auf 24 Monate heraufgesetzt werden sollen. Dies bedeutet, vor dem Hintergrund der schwierigen sozialen Lage der Flüchtlinge (unklare bis geringe Bleibeperspektive, Traumata, Trennung von Verwandten, etc.), dass die Bedarfe an Interventionen nach dem SGB VIII eher steigen werden.

 

Aktuell liegt die Gesamtbelegungszahl bei ca. 1.270 Menschen in allen drei ZUE und davon sind knapp 300 Kinder und Jugendliche. Die Gesamtkapazität liegt bei 2.200 Plätzen, so dass derzeit nur eine 57%-ige Auslastung vorliegt. Der Wechsel in der Belegung der Bewohner liegt derzeit bei 1:2 bis 1:4 pro Jahr.

 

Seit etwa Ende 2016 werden vermehrt Bedarfe seitens der drei ZUE an Beratung bzw. ein Fallmanagement durch das Kreisjugendamt eingefordert. Klare Haltung der Bezirksregierung ist hier die alleinige und allumfassende Zuständigkeit des Kreisjugendamtes für den Rechtskreis des SGB VIII. Damit einher geht die Verantwortung des öffentlichen Jugendhilfeträgers zur Wahrnehmung des staatlichen Wächteramtes.

 

Bis Anfang Januar 2018 wurden 52 Inobhutnahmen allein in den ZUEs gezählt. Demgegenüber liegt die Gesamtzahl an Inobhutnahmen, die pro Jahr im gesamten Jugendamtsbezirk zu bearbeiten sind, bei ca. 120 Fällen pro Jahr. Allein für die Bearbeitung und Durchführung von Inobhutnahmen in den ZUEs sind mit etwa 700 Arbeitsstunden pro Jahr bereits Stellenanteile von 0,5 VZÄ gebunden, incl. Vor- und Nachbereitung.

 

Hinzu kommen auch noch Beratungen nach §§16 ff. SGB VIII (z.B. Trennung und Scheidung), Beratungen nach §8a SGB VIII (Kinderschutz), Mitwirkungen im familiengerichtlichen Verfahren, Begleitung von Umgangskontakten und Beratungen in allgemeinen Fragen der Jugendhilfe.

 

Weitere 1,0 VZÄ Stellenanteile werden zur Vermeidung von kindeswohlgefährdenden Lebenslagen oder Kriseninterventionen benötigt.

 

Für die Aufgabenwahrnehmung in den ZUEs und Einschätzungen von Kindeswohlgefährdung bedarf es eines besonderen Grundverständnisses für die besondere Lebenssituation der Geflüchteten. Ferner sind diese Stellen zur spezifischen Bearbeitung der hier anfallenden Arbeit nötig und sollen die übliche Bezirksarbeit für die Orte nicht beeinträchtigen.

 

Es sind bis mindestens zum Jahr 2024/2025 0,5 VZÄ pro ZUE an personellen Ressourcen für die jugendhilferechtliche Arbeit erforderlich. Diese Kosten werden vom Land nicht direkt refinanziert.

 

Der personelle Bedarf für die Arbeit in den ZUEs konnte seinerzeit nicht berücksichtigt werden, er entwickelte sich stetig erst seit Etablierung der ZUEs Ende 2016. Die Aufgaben wurden zum Teil bisher durch den Sozialdienst für UMA mit erledigt, mit Priorität zu Lasten der übrigen Aufgaben in dem Bereich. Entsprechende Gegensteuerungsmaßnahmen mit der geplanten Umsteuerung und Entfristung der Planstellen sind daher erforderlich.

 

Resümee

 

      Es ergibt sich ein Bedarf von 1,5 VZÄ.

 

  1. Angelegenheiten übergeordneter und besonderer Bedeutung, Zusammenarbeit mit Trägern und Einrichtungen, Evaluation und Controlling

 

Es hat sich gezeigt, dass die Zusammenarbeit mit Trägern, die sich im Bereich der Jugendhilfe auf UMAs spezialisiert haben, einen höheren Bedarf an zeitlichen Ressourcen braucht für Absprachen, Gestaltung und Optimierung von Prozessen, Entwicklung von Konzepten und Maßnahmen zur verbesserten Integration und der Übergänge aus der Jugendhilfe in eine mögliche berufliche Perspektive.

 

Gerade in Zusammenarbeit mit den Betreibern der ZUE sind regelmäßige Absprachen über Optimierungsprozesse, Lösung von Problemen und Konflikten erforderlich. Die hohe Fluktuation auch der Leitungskräfte in den ZUEs bedarf des ständig neuen Kooperationsaufbaus, der häufigeren Absprachen der grundsätzlichen Abläufe zur Verringerung des Arbeitsaufwands der fallzuständigen Fachkräfte und des Bereitschaftsdienstes des Kreisjugendamtes. Das Thema organisationsübergreifendes Qualitätsmanagement gewinnt zunehmend an Bedeutung. Hier sind planerische und konzeptionelle Prozesse zu beginnen und laufend weiterzuentwickeln.

 

Berichtspflichten an den Bund, das Landesjugendamt und den kreisangehörigen Kommunen sind ebenso überdurchschnittlich, wie die Erfassung, Auswertung und Verwertung statistischer Daten.

 

 

Resümee

 

      Hier ergibt sich ein Bedarf von 0,5 VZÄ.

 

 

Kostenerstattung

 

Allein für die Aufgaben des Sozialdienstes für UMA erhält der Kreis Soest eine Verwaltungskostenpauschale. Für 2017 beträgt diese voraussichtlich rund 330.000 €. Das Kreisjugendamt hat bisher alle zusätzlichen Stellen in der Abteilung zum Bereich Flüchtlinge mit dieser Verwaltungskostenpauschale refinanzieren können. Die für den Bereich insgesamt ermittelten Personalkosten in 2017 liegen bei rund 350.000 €.

 

Die Verwaltungskostenpauschale ermittelt sich aus dem Durchschnitt der Anzahl der UMAs, die sich zum 30.06. und 31.12. in der laufenden Hilfe befinden. Die Anzahl zum jeweiligen Stichtag kann nicht prognostiziert und somit nur grob geschätzt im Voraus im Stellenplan bzw. in der Haushaltsplanung berücksichtigt werden.