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Vorlage - 090/2017  

 
 
Betreff: Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage - öffentlich
  Aktenzeichen:51.08.40
Federführend:51 Jugend und Familie   
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
14.06.2017 
14. Sitzung des Jugendhilfeausschusses      
Kreisausschuss Vorberatung
29.06.2017 
14. Sitzung des Kreisausschusses ungeändert beschlossen   
Kreistag Entscheidung
06.07.2017 
15. Sitzung des Kreistages      

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt

Der Kreistag bestätigt das weitere Erfordernis der Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt in Trägerschaft des Kinderschutzbundes für die Jugendämter des Kreises Soest, der Stadt Soest und der Stadt Warstein über das Jahr 2018 hinaus. Ein Anschlussvertrag für zunächst 5 Jahre ist zu schließen.

 


 

Höhe der gesamten finanziellen Auswirkungen:

170.000 EUR jährlich

Produkt: 06.51.40

 

x

Die erforderlichen Mittel sind im Produkt eingeplant.

 

Die erforderlichen Mittel sind teilweise im Produkt eingeplant, eine Deckung erfolgt durch:

 

Die erforderlichen Mittel sind nicht eingeplant.

Erläuterungen:

 

 


Zusammenfassung

Im Oktober 2015 hat die Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Trägerschaft des Kinderschutzbundes ihre Arbeit aufgenommen. Die Weiterführung dieser Fachberatungsstelle über die derzeitige Laufzeit des Vertrages (Ende 2018) ist erforderlich, um betroffenen Kindern, Jugendlichen und deren Bezugspersonen eine spezialisierte Beratung und Begleitung anzubieten. Ein Anschlussvertrag für zunächst 5 Jahre wird verwaltungsseitig vorgeschlagen.

 

Die Fachberatungsstelle wird ihre Arbeit anhand von Zahlen und Fakten in der Sitzung darlegen.
Sachdarstellung

Die Problematik sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen hat nicht zuletzt durch den Runden Tisch “sexueller Kindesmissbrauch“ der Bundesregierung an Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gewonnen.

 

Auf die Vorlage 201/2014 wird verwiesen.

 

Angaben zur Häufigkeit sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind aufgrund der vorhandenen Datenlage nach wie vor schwer möglich. Es muss von einem hohen Dunkelfeld ausgegangen werden. Die polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet für das Jahr 2016 einen Anstieg gegenüber 2015  um 1,8% auf 12.019 Fälle des sexuellen Missbrauchs an Kindern.¹

 

Bereits 2011 hat die Bundesregierung einen Aktionsplan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung formuliert. Dieser greift verschiedene Handlungsfelder und Maßnahmen auf, wie zum Beispiel:

  • Prävention durch Information an Eltern und Fachkräfte, Stärkung von Kindern und Jugendlichen und Therapien für potentielle Täter
  • Intervention durch umfassende Hilfe der Betroffenen und optimierte Strafverfolgung
  • In Kommunikationsnetzen sichere Räume für Kinder schaffen und Kinderpornografie bekämpfen
  • Ausbau der internationalen Zusammenarbeit zum Opferschutz und Täterverfolgung bei Kinderhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und des Tourismus
  • Wissenserweiterung durch das Verknüpfen von Forschung und Praxis.

 

„Die praktische Umsetzung des von der Bundesregierung vorgelegten Aktionsplans ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Nur wenn alle Bevölkerungsgruppen – wie Eltern, Fachkräfte, politisch und wirtschaftlich Verantwortliche – dazu beitragen, können Mädchen und Jungen vor sexueller Gewalt geschützt und Betroffene unterstützt werden.“²

 

Das zum 01.01.2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz umfasst auch, Hilfen für Betroffene bereit zu stellen.

 

Mit der Einrichtung der Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Oktober 2015 beim Kinderschutzbund hat der Kreis Soest diesem Erfordernis Rechnung getragen. Die Jugendämter der Städte Soest und Warstein beteiligen sich an den Kosten. Die Fachberatungsstelle bietet Hilfe und Begleitung für Kinder und Jugendliche, die sexuelle Übergriffe oder sexuellen Missbrauch erlebt haben. Sie leistet auch Beratung und Unterstützung für Mütter und Väter, Bezugspersonen und Fachkräften im Rahmen der Einzelfallhilfe,  der Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung.

 

Das Erfordernis der Beratungsstelle hat sich durch die Inanspruchnahme bestätigt. Die Laufzeit des derzeitigen Vertrages bis Ende 2018, mit 12 monatiger Kündigungsfrist, erfordert jetzt eine Entscheidung zur sicheren Implementierung. Der Kinderschutzbund als Träger muss hinsichtlich Personal und Räume sicher kalkulieren können. Es wird verwaltungsseitig vorgeschlagen, einen Anschlussvertrag für zunächst 5 Jahre zu schließen.

 

Die Fachberatungsstelle wird ihre Arbeit, sowie Zahlen und Fakten in der Sitzung darlegen. Bereits jetzt kann festgehalten werden, dass über 400 Beratungsgespräche im Jahr 2016 aus den Zuständigkeitsbereichen der Jugendämter Soest, Warstein und Kreis Soest erfolgten. Das Jugendamt der Stadt Lippstadt hat mit der Caritas für Lippstadt einen eigenen Vertrag für diesen Bereich.

 

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¹ Bundesministerium des Inneren: Bericht zur polizeilichen Kriminalstatistik 2016

² Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Aktionsplan 2011 der Bundesregierung

 

Die Einrichtung der Fachberatungsstelle hat sich als erforderlich erwiesen. Die Fortführung im Sinne der Betroffenen und ihrer Bezugspersonen ist notwendig. Nachfragen nach Unterstützung, Beratung und Prävention von Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern und weiteren Berufsgruppen sind umfangreich und können noch nicht alle befriedigt werden.