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Auszug - Anfrage der CDU-Fraktion: Frühzeitig handeln, um einem Pflegenotstand zu verhindern  

 
 
12. Sitzung des Ausschusses für Soziales
TOP: Ö 2
Gremium: Ausschuss für Soziales Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Do, 01.03.2018 Status: öffentlich
Zeit: 18:00 - 20:30 Anlass: Sitzung
Raum: Kreishaus, Sitzungszimmer 1
Ort: Hoher Weg 1-3, 59494 Soest
255/2017 Anfrage der CDU-Fraktion: Frühzeitig handeln, um einem Pflegenotstand zu verhindern
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Fraktionsanfrage
  Aktenzeichen:10.24.01
Federführend:01 - Büro der Landrätin   
 
Wortprotokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

Herr Dobat erläutert kurz den vorliegenden Antrag der CDU-Fraktion.

Mit Bezug auf das Zukunftskonzept 2030 ist es wichtig den möglichen Handlungsspielraum des Kreises Soest zu prüfen und die Entwicklungen bei den Pflegebedürftigen und den    Bediensteten weiter zu beobachten, damit rechtzeitig Lösungen besprochen und entwickelt werden können.

 

Es ist weiterhin eine steigende Zahl an pflegebedürftigen Menschen festzustellen.

Der Anteil der zu Hause versorgten Pflegebedürftigen hat in den vergangenen Jahren       kontinuierlich von ca. 56% (2003) auf 66% (2015) zugenommen. Die Entwicklung zeigt hier einen deutlichen Trend zu mehr häuslicher Pflege. Im Vergleich zum NRW-Schnitt von 74 % ist diese Entwicklung im Kreis Soest aber noch ausbaufähig.

 

Bei den verschiedenen Prognosen (Bertelsmann-Stiftung, IT-NRW, Kreis Soest) der Zahl der Pflegebedürftigen im Jahr 2030 gibt es eine große Streuung von ca. 10.500 bis ca. 19.000 Pflegebedürftigen. Dies macht deutlich, wie unsicher der Blick in die Zukunft bei dieser Frage ist.

 

Mit vollstationären Pflegeplätzen ist der Kreis Soest, aufgrund der historischen Entwicklung (Kurkliniken, ländlicher Erholungsraum), im Vergleich zum Durchschnitt des Landes NRW gut ausgestattet.

Durch die gesetzlichen Vorgaben zur Einzelzimmer-Quote (80%) zum 01.08.2018 werden voraussichtlich 478 Plätze die Anforderungen nicht erfüllen und dürfen vorübergehend nicht belegt werden. Dies wird vorübergehend ein Defizit von ca. 100 vollstationären Plätzen zur Folge haben. Der genaue Umfang und die Dauer der Unterversorgung lassen sich nicht prognostizieren, da einerseits die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze erst nach und nach reduziert wird. Andererseits werden neue Plätze durch abgeschlossene Neu- und Umbauten geschaffen.

 

Herr Schubert erläutert die Möglichkeiten der Einflussnahme des Kreises Soest auf die

Anzahl der Pflegeplätze und Pflegekräfte im Kreis Soest bis 2030.

Grundsätzlich kann der Kreis Soest hier nur die Angebote koordinieren.

 

Der Kreis Soest kann auch als Betreiber einer Einrichtung aktiv werden, die dazu notwendigen Ressourcen sind aber erheblich. (Folie 11)

Alternative, ergänzende Angebote zur Deckung des Platzbedarfs sind anbieterverantwortete Wohngemeinschaften und Tagespflegen. Ein flächendeckendes Angebot ist hier noch nicht erreicht.

 

Frau Krick weist bei der Entwicklung beim Pflegepersonal darauf hin, dass der notwendige Bedarf bis 2030 nicht gedeckt werden kann. Je nach Prognose ergibt sich ein Defizit von 500 bis 1.000 Pflegekräften, bei einem voraussichtlichen bedarf von ca. 4.000 Pflegekräften.

 

Die Zahl der Auszubildenden ist zwar gestiegen, jedoch muss berücksichtigt werden, dass nach derzeitigem Stand ca. 15 % die Ausbildung vorzeitig abbrechen und 8 % die            Abschlussprüfung nicht bestehen.

Die Auswirkungen der neuen generalistische Ausbildung in diesem Bereich muss abgewartet werden.

 

Herr Streich merkt hierzu an, dass die Einkommensdifferenzen zwischen der  Krankenpflege und der Altenpflege die Situation noch verschärfen kann.

Es ist bereits heute schwierig freie Stellen zu besetzen. Hierzu erstellt die Bundesagentur für Arbeit jährlich eine Engpassanalyse.

Für die Nachbesetzung einer vakanten Arbeitsstelle dauert es durchschnittlich 100 Tage. Ab 140 Tage sieht die Bundesagentur die Situation als kritisch an.

Bei examinierten Altenpflegern liegt der Wert aktuell bei 194 Tagen.

Zusätzlich ist die Zahl der Bewerber auf freie Stellen mit 35 Bewerbern auf 100 freie Stellen extrem niedrig.

 

Hierzu ist festzustellen, dass die Probleme nicht einfach durch bessere Bezahlung gelöst werden können. Viele Beschäftigte haben andere Beweggründe. Vielfach wird die Ver-besserung der Rahmenbedingungen favorisiert. Eine bessere Bezahlung könnte aber dazu führen, dass mehr Männer, in diesem hauptsächlich von Frauen ausgeübten Beruf, eine

Zukunft für sich sehen.

 

Wichtig und auch erfolgreich sind die bisherigen Aktivitäten von Regionalagentur, Wirtschaftsförderung, Agentur für Arbeit und Akteure der Pflege im Kreis Soest.

Unter anderem finden regelmäßig Pflegebörsen statt. Hier ist das Interesse auch auf Seiten der Anbieter deutlich gestiegen.

 

Herr Dobat stellt fest, dass sich bereits jetzt ein dramatisches Bild für den Kreis Soest darstellt und das der Bund als auch das Land umgehend gegensteuern müssen.

Herr Henneböhl weist daraufhin, dass es früher eine Altenpflegeausbildung an Berufskollegs gab. Hierzu müsste Kontakt mit dem Land aufgenommen werden.

 

Aus dem Gremium wird auch vorgeschlagen, Personen mit Migrationshintergrund zu       aktivieren und Personen mit ähnlichem Berufsbild heranzuziehen.

Auch in europäischen Ländern gibt es Ansätze die Situation u.a. durch bessere Bezahlung und eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit zu entschärfen.

 

Herr Müller bedankt sich ebenfalls für diesen Antrag der CDU und für die umfang- und hilfreichen  Erläuterungen zum Thema.

Eine Verlagerung einzelner Aufgaben kann ebenfalls zur Entlastungen von Fachkräften    führen. Dabei muss aber beachtet werden, dass Hilfskräfte oder fremdberufliche Personen die Fachkräfte nicht ersetzen können!

 

Frau Schulte Döinghausen plädiert dafür, dass eine Erhöhung der Pflegeversicherung notwendig sei, weil es schließlich ein Problem der Allgemeinheit ist.

 

Herr Dobat weist auf die sinnvolle Bildung von Arbeitsgruppen im Rahmen der Konferenz Alter und Pflege und wünscht sich eine Unterstützung durch die Politik.

 

Frau Helfrich ergänzt, dass eine Fokussierung allein auf den Pflegebereich nicht ausreicht, sondern mit dem Bereich Gesundheit unter Hinzuziehung der Gesundheitskonferenz und des Ausschusses für Gesundheit eine gemeinschaftliche Lösung angestreben werden sollte.

Herr Streich lädt alle Anwesenden ein, sich bei Interesse an einer Mitarbeit in den Arbeitsgruppen bei Herrn Schubert oder Herrn Streich bis Ende März zu melden.

 

 


 


 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Antrag Frühzeitig handeln - Entwicklung der Pflege (893 KB)